Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG)

Wir, der FSR Psychologie, möchten euch auf folgende Petition aufmerksam machen:

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2018/_10/_25/Petition_85363.nc.html

Dem Entwurf zum neuem Terminservice- und Versorgungsgesetz –TSVG wurde kurzfristig ein Absatz hinzugefügt, welcher Regelungen für eine gestufte und gesteuerte Versorgung für die psychotherapeutische Behandlung vorsieht. Dies hätte zur Folge, dass Patienten sich erst einer Voruntersuchung unterziehen müssen. In dieser würde entschieden, ob und welches Therapieangebot in Anspruch genommen werden darf. Erst daraufhin können die Patienten mit tatsächlich behandelnden Therapeuten in Kontakt treten. Mehrere Psychotherapeuten-Verbände (DPtV, bvvp, VAKJP) haben eine Petition gestartet, die die Streichung dieses Absatzes fordert.

Ihre Begründung im Petitionstext:

„1. Dieses Gesetzesvorhaben diskriminiert im Entwurf zum § 92 eine ganze Patientengruppe. Den psychisch kranken Patientinnen und Patienten wird damit aufgebürdet, oftmals enorme, hoch schambesetzte seelische Belastungen gegenüber Behandlern darzustellen, die sie danach in der Regel nicht wiedersehen werden und die sie nicht selbst nach Vertrauensgesichtspunkten gewählt haben.
2. Psychisch Kranken wird ein Hürdenlauf zugemutet, der sie unnötig belastet und gegenüber anderen Patientengruppen benachteiligt. Es entsteht ein neues Nadelöhr vor der eigentlichen Behandlung.
3. Mit der Reform der Psychotherapie-Richtlinie 2017 sind neue Strukturen eingeführt worden, deren Auswirkungen zunächst erfasst und evaluiert werden müssten, bevor über neue Eingriffe entschieden werden kann.
4. Der Entwurf zum § 92 diskriminiert darüber hinaus auch die psychotherapeutisch tätigen Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten, die aufgrund ihrer Fachkunde und Zulassung alle über die Qualifikation zur Diagnostik, Indikationsstellung und Behandlungsplanung verfügen.
5. In einer Studie einer Krankenkasse wurde nachgewiesen, dass Psychotherapeuten korrekte Behandlungsindikationen stellen.
6. Mehrere unabhängige Versorgungsstudien belegen, dass in Deutschland mit gutem Erfolg und zur hohen Zufriedenheit der Patienten behandelt wird und die Behandelten zuvor nachweislich erheblich psychisch belastet waren.
7. Das geplante Vorgehen bindet völlig unnötig die Ressourcen von Ärzten und Psychotherapeuten, die damit der eigentlichen psychotherapeutischen Behandlung entzogen werden.

Die beabsichtigte Neuregelung kann nur als der ungerechtfertigte Versuch einer Rationierung von Behandlungsleistungen aufgefasst werden. Bei noch unzureichender Bedarfsdeckung soll offensichtlich die Versorgung durch Priorisierung und Behandlungseinschränkungen ‚fürsorglich eingehegt‘ werden. Das wäre ein folgenschwerer Eingriff in die Versorgungsstruktur psychisch kranker Menschen.
Die Petition fordert die Bundestagsabgeordneten und Gesundheitspolitiker aller Parteien auf, dafür Sorge zu tragen, dass der Zusatz zum § 92 (6a) im TSVG ersatzlos gestrichen wird.“

Die Petition braucht noch ~40.000 Unterstützer um eingereicht werden zu können.

Wir als FSR möchten die politische Mitgestaltung eines der Berufsfelder von Psychologie und die Gestaltung der deutschen Psychotherapielandschaft unterstützen. Daher empfehlen wir euch, euch mit der Petition auseinander zu setzen.

Vortrag: Ansätze zum Umgang mit Flexibilität in der Datenanalyse

Diesen Freitag (30.11.2018, Zeit: 10:15 – 11:45, Ort: BZW A307) hat die Open Science Initiative der Dresdner Psychologie (OSIP) Julia Rohrer von der Universität Leipzig zu Gast. Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen.

Julia Rohrer wird zu folgendem Thema referieren: A Walk in the Garden of Forking Paths: Ansätze zum Umgang mit Flexibilität in der Datenanalyse

 

Abstract: Freiheitsgrade in der Datenanalyse können so ausgenutzt werden, dass am Ende (fast) immer ein „signifikantes“ Ergebnis steht — mit einem erhöhten Risiko, dass es sich hierbei um einen falsch-positiven Befund handelt. Als Lösung für dieses Problem wurde in den letzten Jahren insbesondere die Praxis der Präregistrierung diskutiert, bei der die Flexibilität von vornherein eingeschränkt wird. In diesem Vortrag wird es im Kontrast hierzu um Ansätze gehen, bei denen die Flexibilität explizit in die Analysen einbezogen wird. Hierunter fallen etablierte Praktiken (z.B. Robustness Checks, Nested Cross-Validations), neuere Frameworks (z.B. Multiverse Analysis, Specification Curve Analysis) und großangelegte Kollaborationsprojekte (z.B. Fragile Families Challenge, Many Analysts). Neben einem Überblick über verschiedene Herangehensweisen soll es insbesondere um potentielle Anwendungsfälle sowie etwaige Grenzen der Ansätze gehen.