Der schleichende Verdruss der Streaming-Dienste
Streaming-Dienste haben einst das Sehverhalten revolutioniert, doch zunehmend entfremden sie den Verbraucher. Wo bleibt der Spaß am Anschauen?
In einem Café sitze ich, gewappnet mit einem Cappuccino und einem Smartphone, das ich gerade anhebe, um den neuesten Film auf meinem Lieblingsstreamingdienst zu starten. Die Vorfreude, die ich einmal beim Anblick eines neuen Titels empfand, ist in den letzten Jahren einem mulmigen Gefühl gewichen. Ich scrolle durch eine endlose Liste von Angeboten, die sich kaum von den vorherigen unterscheiden. Es ist, als wäre ich in einem Schaufenster gefangen, voll mit Artikeln, die ich nicht kaufen kann, weil ich nicht die Zeit oder den Nerv habe, sie wirklich zu konsumieren.
Das Phänomen Streaming hat die Art und Weise, wie wir Filme und Serien konsumieren, revolutioniert. Einst voller Begeisterung für die Flexibilität des On-Demand-Guckens, merke ich jedoch zunehmend, wie sich das Erlebnis ins Gegenteil verkehrt. Glücklicherweise um die eine oder andere Serie bringen sie sich nicht mehr, die gut bewerte Filme der letzten Jahre werden schlichtweg durch Neuerscheinungen überschattet. So viele Anbieter, so viele Abonnements, und doch scheint das Angebot gleichzeitig immer homogener zu werden. Der Rubikon ist wohl überschritten.
Der Versuch, die passende Serie oder den richtigen Film zu finden, setzt mich unter Druck. Stundenlang scrolle ich durch das Repertoire, während ich mich frage, ob ich wirklich für all diese Inhalte bezahle, die ich nie ansehen werde. Die schier endlosen Kataloge im Streaming-Dschungel mögen zwar den Anschein erwecken, dass für jeden etwas dabei ist, doch die Realität ist oft ernüchternd. Längst hat sich die Freude am Finden eines Schätzchens von einem Film zu einer zeitraubenden odyssee entwickelt, bei der ich am Ende oft frustriert aufgeben muss.
Das Schlimmste ist der ständige Wechsel in den Katalogen. Inhalte verschwinden, während andere hinzukommen, und manchmal frage ich mich, ob der Anbieter in der Lage ist, sich für ein einheitliches Konzept zu entscheiden. Wo vorher die Spannbreite der Auswahl als Vorteil galt, fühlt sich die Unbeständigkeit nun wie ein Schlag ins Gesicht an. Mein Lieblingsfilm von vor einem Jahr ist nicht mehr verfügbar, und der neue Film, den ich gerade gesehen habe, war alles andere als bemerkenswert. Ich sage mir, dass ich mich an die alte DVD-Sammlung erinnern sollte, aber diese nostalgischen Gedanken ertrinken in der Flut an neuen Streamingdiensten, die um meine Aufmerksamkeit buhlen.
Was mir bleibt, ist eine gewisse Resignation. Ich tappe durch die fremden Programmwelten, die mich mehr frustrieren als erfreuen, und stellenweise genieße ich die ironische Erkenntnis, dass in der Welt der unbegrenzten Möglichkeiten das Angebot an wirklich sehenswerten Inhalten erschöpft ist. Ein bescheidenes, aber wertvolles Gut – der Zeit. In einer Welt, in der wir alles sofort haben wollen, könnte es sich lohnen, einen Moment innezuhalten und die einfachere Freude am Geschichtenerzählen in ihrer ursprünglichen Form zu schätzen. Ab und zu greife ich wieder zur guten alten DVD und finde in ihrem physischen Format eine Seltenheit – Konsum ohne den Druck, auf die nächste Streaming-Enttäuschung zu stoßen.
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